CASUS ist Teil der erfolgreichen PROFOUND-Initiative

Die Helmholtz-Gemeinschaft, Deutschlands größte Forschungsorganisation, hat die Gewinner ihrer zweiten Ausschreibung im Rahmen der Helmholtz-Foundation-Model-Initiative (HFMI) bekannt gegeben. Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) mit seinem auf die Erforschung komplexer Systeme spezialisierten Institut CASUS ist Teil eines erfolgreichen Konsortiums, das nun ein neues Grundlagenmodell zur Analyse von Proteinstrukturen entwickeln wird. Konkret zielt der erfolgreiche Antrag PROFOUND darauf ab, die Vorhersage von Proteinstrukturen zu revolutionieren. Bei Erfolg würde das Projekt die Forschung zum Beispiel in der Medizin und der Biotechnologie vorantreiben.

Grundlagemodelle sind Modelle der künstlichen Intelligenz (KI), die anhand großer Datenmengen trainiert wurden. ChatGPT ist ein Beispiel für ein Grundlagemodell, das auf die Sprachverarbeitung ausgerichtet ist. Andere Beispiele konzentrieren sich auf Bilder, Videos oder Ton. Auch die Wissenschaft hat das enorme Potenzial von Grundlagemodellen erkannt, offene Fragen in einer Vielzahl von Forschungsbereichen zu beantworten, da sie deutlich leistungsfähiger und flexibler sind als herkömmliche KI-Modelle. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert derzeit mit der Helmholtz Foundation Model Initiative (HFMI) sieben Pilotprojekte in den Bereichen Wetter und Klima, Kohlendioxidkreisläufe, Radiologie, planktongebundener Kohlenstoff, Photovoltaikmaterialien, Zellbiologie und Proteindesign. Ziel der auf drei Jahre angelegten Initiative ist die Entwicklung voll funktionsfähiger Modelle.

Zusätzliche Informationen:

Dr. Artur Yakimovich

Young Investigator Group Leader
Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) am HZDR

Für einen bestimmten Teil des Proteins Trypsinogen vorhergesagte Gelenkbewegungen.

Das auf Proteindesign ausgerichtete Projekt PROFOUND gehört zu den drei Vorschlägen, die eine Expertenjury Ende Oktober 2024 für eine Förderung ausgewählt hat. Proteine sind Bausteine und chemische Werkzeuge, die an biologischen Prozessen beteiligt sind. Es ist die Art und Weise, wie Proteine interagieren und funktionieren, die alle lebenden Systeme so komplex macht. Die Fähigkeit, Proteine zu entwerfen, birgt ein enormes Potenzial für die Grundlagenbiologie, viele Anwendungsbereiche und die Medizin. Der diesjährige Nobelpreis für Chemie wurde an Forscher verliehen, die auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet haben. Heute ist es mit KI möglich, die dreidimensionale Struktur des Proteins nur aufgrund seiner Gensequenz vorherzusagen.

PROFOUND wird das Proteindesign revolutionieren, indem es eine große Hürde überwindet, mit der aktuelle KI-Modelle wie AlphaFold konfrontiert sind: Sie beschränken sich auf statische Proteinstrukturen. In Wirklichkeit sind Proteine wie Nanomaschinen, die ständig ihre Form ändern, um ihre biologischen Aufgaben zu erfüllen. PROFOUND zielt darauf ab, diese Bewegungen zu erfassen. Das Projektteam wird groß angelegte Molekulardynamikdaten nutzen, um ein KI-Modell zu entwickeln, das diese dynamischen Verhaltensweisen vorhersagen kann. Dieser Ansatz ermöglicht das Design von Proteinen, die nicht nur bestimmte Aufgaben erfüllen, sondern sich auch im Laufe der Zeit anpassen. Angestrebte Durchbrüche wie dynamische Enzyme und programmierbare molekulare Maschinen könnten zu Innovationen in den Bereichen Therapeutika, nachhaltige Materialien und Biotechnologien der nächsten Generation führen. Das PROFOUND-Team besteht aus Experten des Forschungszentrums Jülich, des Helmholtz-Zentrums München, des Helmholtz-Zentrums Berlin und des Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Am CASUS wird die von Artur Yakimovich geleitete Gruppe „Machine Learning for Infection and Disease“ zur Entwicklung einer geeigneten Architektur für Diffusionsmodelle beitragen. „Einer der Ansätze, den wir untersuchen wollen, orientiert sich an unserem Conditional Variational Diffusion Model, einem KI-Modell, das die Bildqualität verbessert, indem es Bilder aus Zufallsdaten rekonstruiert“, sagt Yakimovich. „Zwar haben wir in diesem Projekt gezeigt, dass der Hyperparameter für den Rauschverlauf aus den Daten gelernt werden kann, doch die Datenbasis innerhalb von PROFOUND ist eine andere, und andere Ansätze, die wir im Auge haben, könnten sich als besser geeignet erweisen. Auf jeden Fall sind wir stolz darauf, einen Beitrag zu diesem zeitgemäßen, ehrgeizigen und vielversprechenden Projekt leisten zu können.“

Zusätzliche Informationen:

Dr. Artur Yakimovich

Young Investigator Group Leader
Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) am HZDR